Was bedeutet palliativ?

Zum Ausbau der Palliativstation des Kreiskrankenhauses Waldbröl

Krebs ist nach den Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todes- ursache in Deutschland, zu rechnen ist mit ca. 160.000 Todesfällen pro Jahr. Die Zahl Tumorkranker steigt mit zunehmendem Alter. Als Beispiel kann das Kolorektale Karzinom genannt werden, das bei 40 - 45 jährigen Männern eine Inzidenz (Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr; Krebsregister des Saarlandes) von7,3 hat und bei 70-75 jährigen auf 212 ansteigt. Bei den gleichen Altersgruppen gibt es eine Mortalität von 4,9 bzw.122, das heißt daß mehr als 50% der hieran erkrankten an diesem Tumor verstirbt. Mit der Verbesserung der Lebensbedingungen und der medizinischen Möglichkeiten steigt die Lebenserwartung, und die Zahl an Tumorerkrankungen wird weitersteigen.

Die Möglichkeiten in der Behandlung von Tumorerkrankungen sind operative Verfahren, die Strahlentherapie und Medikamente. Die ersten beiden Verfahren sind weitgehend ausgereizt, wirklich Neues ist hier nicht mehr zu erwarten. Bei den Medikamenten erleben wir derzeit begeisternde Innovationen mit deutlichen Verbesserungen der Behandlungsergebnisse im Hinblick auf Heilung wie auch auf Verlängerung der Überlebenszeiten.

Es gibt jedoch Grenzen in der Behandlung von insbesondere metastasierenden Tumoren und es kommt der Moment daß alle Möglichkeiten ausgereizt sind oder auch daß ein Patient auf weitere Versuche in der Behandlung verzichtet. Dann geht es nicht mehr um Lebensverlängerung sondern um bestmögliche Lebensqualität, die die verbleibende Lebenspanne erträglich macht. "Wo nicht mehr geht gibst es noch viel zu tun". Der Onkologe darf Patienten nicht in Stich lassen sondern es ist seine Aufgabe sich um "seinen ausbehandelten" Patienten weiterhin zu kümmern, jetzt im Sinne einer Palliativtherapie mit dem Ziel Symptome zu lindern und ihn zu begleiten mit einer fachübergreifenden Mannschaft. Hierzu gehören Mitarbeiter mit speziellen Kenntnissen in Palliativmedizin, so aus Nachbardisziplinen wie z.B.Anästhesie, aus der Pflege, der Sozalarbeit und auch die Seelsorge.

Palliativmedizin kann überall gemacht werden, es hat sich aber bewährt Palliativpatienten auf speziellen Stationen -sprich Palliativstationen - zusammenzufassen. Nicht jeder Patient ist bereit sich darauf einzulassen, aber wenn das akzeptiert werden kann ist ein Patient mit fortgeschrittenem und weiter fortschreitendem Tumor dort gut aufgehoben.

Palliativmedizin ist keine Neuerung oder ein neues Fach sondern eher eine Rückbesinnung auf alte ärztliche Tugenden, indem hier der Arzt nicht mehr der Heiler sondern der Helfer und Berater und tröstende Begleiter ist in einer nicht mehr zu ändernden ausweglosen Situation. Er sorgt sich um die vitalen Bedürfnisse seines Patienten, er hilft bei Ängsten und mildert Symptome, so insbesondere bei Schmerzen und anderen schwerwiegenden und belastenden Beschwernissen wie sie im Verlaufe einer zum Tode führenden Erkrankung auftreten können.

Der Bedeutung dieser Aufgabe angemessen hat der Deutsche Ärztetag im Mai 2003 die Palliativmedizin als eigenständige Zusatzweiterbildung nach der Facharztanerkennung berücksichtigt. Lehrstühle für Palliativmedizin werden eingerichtet. Die Zahlen von Palliativstationen an Krankenhäusern steigen. Palliativmedizin ist die sehr gute Gegenbewegung gegen die inzwischen wieder offen diskutierte aktive Sterbehilfe.

Palliativstationen sind Teile des Krankenhauses und dienen der Krisenintervention bei Tumorpatienten. Die Liegezeit auf einer Palliativstation ist begrenzt wie auf jeder anderen Station im Krankenhaus. Es wird die Zusammenarbeit mit den Hausärzten und den ambulanten Pflegediensten gesucht. Wenn es keine Familie gibt in die der zu entlassende Patient zurückkehren kann dann ist eine Verlegung in ein Hospiz, in dem der Sterbende bis zum Ende verbleiben kann, eine sehr gute Lösung.